SexyKapitalismus

Verkopfte Theoriesamples und eine Sammlung von Texten, die Teil unserer Sendungen geworden sind. Im Rhizom findet ihr weitere Links zu Info- und Edutainment-Seiten.

  zurück

John Heartfield/George Grosz - Der Kunstlump
Der Gegner 1 (1919) Heft 10-12

Die Bourgeoisie und das ihr mit Haut und Haaren verschriebene Kleinb?rgertum hat sich gegen das aufb?umende Proletariat stets, unter anderem auch mit ?Kultur? gepanzert. Ein alter Schlachttrick des B?rgers! Im Rahmen dieser mit ihm in Schlamm und Dreck versinkenden Kultur steht die ?Kunst?. Mit der Bibel in der Hand weiht man immer die Mordwaffen, die f?r die gemeinsten Interessen der verruchten Ausbeuterbande gef?hrt werden (siehe jetzt auch Horthy-Ungarn), mit Goethes Faust im Tornister und den b?sartigsten Dichterphrasen im Maul als Beruhigungspillen gab man sich stets das ?ethische Gleichgewicht?, dessen man bedurfte im Kampf f?r Raub, Unterdr?ckung und r?cksichtsloseste Ausbeutung des andern bis aufs Hemd.

In den Staatsgeb?uden zur Pflege und Erhaltung der mittelalterlichen Inventare und Gebilde, eines Stabes ?berfl?ssiger Kunstbeamten, alles toten, heutigen Lebensbed?rfnissen zuwidersprechenden Ger?mpels, Geschreibsels und Gemales, das bestenfalls nur historischen Nachschlagewert hat f?r Idioten und Nichtstuer, die die Dokumente der menschlichen Dummheit, bis in die greiseste Vergangenheit greifend, preisen zu m?ssen glauben, h?ngen die verstaubten ?Werke? der Rubens, Rembrandts, die f?r uns heute nicht den geringsten Lebenswert mehr bergen. Die Marktinteresse f?r den B?rger haben! In denen er sein Geld sicherte und festlegte. Wie er auch heute sein ?bersch?ssiges Kapital in den Bildern der f?r ihn pinseInden Maler f?r sich aufh?uft und die bedeutenden Gem?lde der bedeutenden ?Schaffenden? (beleidigen Sie die Bedeutenden nicht und sagen Sie nicht ?Arbeitenden?!) nur aus Kapitalsinteressen als sein Eigentum f?r seine unbewohnten Herren-, Speise- und Damenzimmer in dieser Hungerzeit erwirbt. Nebenbei schaffen diese Erwerbungen dem B?rger, solch eines an eigenn?tzigen Handelns wegen, allen Glanz und Ruhm eines Kunst- und den Rang und die Warte eines erstklassigen Kulturf?rderers, von wo aus man auf den nur produktive Arbeit leistenden ?P?bel? mit gesch?rzten Lippen den Tabaksaft der zwischen Goldplomben zerkauten Havanna herabspeien kann. Ja, ja, den guten verfetteten B?rgerbuckel rutscht Schauer der Ehrfurcht ?ber den verschwitzten Arsch bis zu den dienstbeflissenen Fersenballen hinab, wenn ihm ein g?nstiges Schicksal erm?glicht, z. B. um nur einen von vielen zu nennen, den Palast des Berliner Million?rs Mendelsohn-Bartholdy betreten zu d?rfen und dann unter der breiten, feudalen, mit Kandelabern verzierten Treppe neben den Kleiderst?ndern schon einen zwei handbreit gro?en Fetzen Leinewand, von Henry Rousseau bemalt, so nebens?chlich, als koste er garnichts, h?ngen zu sehen (er kostet doch Unsummen); wenn er gar seinen Pelzmantel mit dem Bild ber?hren, das unsterbliche teure Werk mit seinem noch regennassen Mantel zuh?ngen darf.

Ja, hier herrscht Gro?z?gigkeit. Ah! hier empfindet man gleich eine Ehrfurcht erheischende Distanz zum dicken Herrn des Hauses, der man sich freudig unterwirft. Hier ist ein geistiges Fluidum, aus dem heraus man die Welt mit Wonne betrachtet. Hier geht einem erst der Sinn des Daseins auf. Alle Sch?nheiten dieser Erde entbl?ttern sich dir hier! Ahl hier entbI??t man willig das Haupt vor dem Wert der Kultur, f?hlt sich von ihr begnadet und verpflichtet zu ihrem Schutze einzutreten gegen alle Zerst?rungsabsichten des kulturzerst?renden BoIschewismus, gegen den Hordengeist der Zerr?ttung unserer heutigen Zeit. Und immer mehr bl?ht das Herz auf, wenn man, wo immer man zuf?llig hingreift, einen zweimal hunderttausend Mark Kunst?lfleck ber?hrt und neben den herrlichsten Werken der alten Meister: Rubens pomp?sen Frauenschenkeln, Blumenputten, Generalsm?chtigen mit Orden und Sternen, meisterlich gemalt, heute unnachschaffbar, neben des Malerf?rsten Rembrandts Kreuzabnahmen, Goldhelmm?nnern, auch moderne Kunstwerke entdeckt, vielleicht des jungen Professors Oskar Kokoschka schon sehr kaufkr?ftige Zeichnungen und Gem?lde, vielleicht sein Bild: ?Die Schauspielerin Margarete Kupher mit ihrem Lieblingshund?, das links oder rechts herum gemalt sein kann, ohne f?r den B?rger B?ses auszusagen, das mit einem kunstrevolution?r zu nennenden Aufwand von Kobaltblau, ging dieses zuf?llig aus, dann auch mit preu?ischblau weiter gemalt sein kann, und doch schon ?klassisch? wirkt und in dem kunstsinnigen Hause einer Frau Gro?m?llereibesitzer Bienert-Dresden ebensowenig st?rt, wie etwa des Kleinb?rgers und Z?llners Bilder ?Blauer Gartenzaun?, ?Urwald 311?, ?Kind mit Ball?, ?Wald mit Zeppelin?.

Ja, hier geh?ren diese gro?en Kunstwerke alle hin! An die Prunkt?felungen der hohen W?nde!! ? oder etwa in eine Arbeiterstube, in das Alltagselend eines Arbeiters, vielleicht ?ber sein Arbeiterlausebett?

Was soll der Arbeiter mit Kunst?

Wo er st?ndlich um seine primitivsten Lebensbed?rfnisse k?mpfen mu?, wo er unter den zerr?tteten Verh?ltnissen fiebert, in denen er seine Kameraden, seine Familie, alle seine Mitstreitenden dank der b?rgerlichen Blutsauger und geschwollenen Besitzkr?ten dauernd versinken sieht, und sich schuldig f?hlt jeder Minute, die er nicht damit zubringt, diese Welt aus den Schleimlingen des kapitalistischen Systems zu befreien.

Wo er unaufh?rlich die Augen aufrei?en mu?, um den Verbrechen, den Schlichen, den Hintergehungen, den Umbiegungen, den Verleumdungen, mit denen die b?rgerliche Gesellschaft sein Rettungswerk zu vernichten sucht, zuvorzukommen.

Wo er dauernd dem Kapital, das auf jede Weise die Stabilisierung der Ausbeutung ersinnt und ausf?hrt, entgegentreten mu?. Wo er die Ebert mit den Kapp und Mannerheim verhandeln und die Revolution verkaufen sieht.

Wo er die Bildung im Bunde mit den Ludendorffs Handgranaten werfen sieht.

Was soll der Arbeiter mit der Kunst, die ihn trotz aller dieser erschreckenden Tatsachen in eine davon unber?hrte Ideenwelt f?hren will, vom revolution?ren Handeln abzuhalten versucht, die ihn die Verbrechen der Besitzenden vergessen machen will und ihm die bourgeoise Vorstellung einer Welt der Ruhe und Ordnung vorgaukelt. Die ihn also den Klauen seiner Zerfleischer ausliefert, statt ihn aufzupeitschen gegen diese Hunde.

Was soll der Arbeiter mit dem Geiste der Dichter und Denker, die angesichts all dessen, was ihm den Lebensatem abschn?rt, keine Verpflichtung f?hlen, den Kampf gegen die Ausbeuter aufzunehmen.

Ja, was soll den Arbeitern die Kunst? Haben die Maler ihren Bildern die Inhalte gegeben, die dem Befreiungskampf der arbeitenden Menschen entsprechen, die sie lehren sich zu befreien aus dem Joch tausendj?hriger Unterdr?ckung?!

Sie haben die Welt trotz all dieser Schande im beruhigenden Lichte gemalt. Die Sch?nheit der Natur, den Wald mit Vogelgezwitscher und Abendsonnenschein! Zeigt man, da? der Wald in den schmierigen H?nden des Profitmachers ist, der ihn meilenweit als sein Privateigentum erkl?rt, ?ber das er allein verf?gt, der ihn abholzt, wenn sein Geldschlot es erfordert, ihn aber umz?umt, damit Frierende darin sich kein Holz holen k?nnen.

Doch die Kunst ist tendenzlos. Sieh an!

Deshalb malt man den ganzen alten barocken Gottesschwindel, barocke Engel und barocke Apostel, mit denen kein Lebender mehr etwas anzufangen wei?. Kreuzigungen in allen Fa?ons im Original f?r die christlichen Mittagstische der Junker und vervielf?ltigt zur Verdummung des Volkes. Als w?rde man noch von der Kirche bezahlt oder st?nde ihren Ideen nahe, als w?rde man in ihren Scho? fl?chten k?nnen vor den Standgerichten der b?rgerlichen Republik.

Deshalb predigt man in den Bildwerken Flucht der Gef?hle und Gedanken, weg von den unertr?glichen Zust?nden der Erde, zu Mond und Sternen, in den Himmel, I??t so die Maschinengewehre der Demokratie gew?hren, die ja auch die Reise der Besitzlosen in ein reineres Jenseits bezwecken. Deshalb dichtet so ein Schw?chling wie Rainer Maria Rilke, den die parf?mierten Nichtstuer aushalten, ?Armut ist ein gro?er Glanz von innen? (Stundenbuch).

Arbeiter! Indem man Euch die Ideen des christlichen Kirchentums vorsetzt, will man Euch entwaffnen, um Euch umso bequemer der m?rderischen Staatsmaschine auszuliefern.

Arbeiter! Indem man in Gem?lden irgend etwas darstellt, an das sich der B?rger noch klammern kann, das Euch Sch?nheit und Gl?ck vorspiegelt, st?rkt man ihn, sabotiert man Euer Klassenbewu?tsein, Euren Willen zur Macht.

Indem man Euch auf die Kunst verweist und schreit: ?Die Kunst dem Volke? will man Euch verf?hren an ein Gut zu glauben, das Ihr mit Euren Peinigern gemeinsam besitzt und dem zu Liebe lhr den berechtigsten Kampf, den die Welt je sah, einstellen sollt. Man will wieder einmal Euch mit ?Seelischem? gef?gig machen, und Euch das Bewu?tsein Eurer eigenen Kleinheit im Verh?ltnis zu den Wunderwerken des menschlichen Geistes einfl??en.

Schwindel! Schwindel!

Gemeinster Betrug!!

Nein, die Kunst pa?t in die Museen, um in Rundspazierg?ngen von Kleinb?rgern auf Ferienreisen beglotzt zu werden, die Kunst pa?t in die Pal?ste der Bluthunde, vor die Safes. Wenn Herr Stinnes nach getaner Schiebung mit seinen vom Kuponschneiden ach so schwieligen H?ndchen im Scho?, seine vom fortgesetzten Rechnen, wie man Euch am besten kurz h?lt, ach so kurzsichtigen Aeuglein in die H?hen reiner Menschlichkeit aufschwingt, seinen ?berangestrengten Geist an den antiken Bildwerken oder etwa an Kokoschkas Meisterschinken ?Die Macht der Musik? erquickt, so l??t sich kaum annehmen, da? diese Bilder die Notwendigkeit der Vernichtung der alten und den Aufbau einer gerechteren Welt predigen.

Arbeiter, lhr die lhr den Mehrwert dauernd schafft, der es den Ausbeutern erst erm?glicht, sich die Winde mit diesem ??sthetischen? Luxus zu beh?ngen, die Ihr den K?nstlern somit den Lebensunterhalt, der meist immer ein vielfach reichlicherer war als der Eure, gew?hrleistet, Arbeiter, nun h?rt, wie solch ein K?nstler zu Euch und Eurem Kampfe Stellung nimmt.

Nach den Kapptagen, da lhr Euch bewaffnet habt, zum Verdru? der Antimilitaristen und Pazifisten, die es am liebsten gesehen h?tten, da? lhr mit langen wei?en Hemden bekleidet mit einer Kerze in der einen und Lehrer Franks Buch ?Der Mensch ist gut? in der anderen Hand in langen Prozessionen den Hakenkreuzz?glern entgegengepilgert w?ret, um mit geistigen Waffen die wei?en Heilande zu vertreiben, ? in diesen Tagen hat sich so ein Kunstb?rschchen wie Oskar Kokoschka, republikanischer Professor an der Kunstakademie Dresden, nicht etwa nur dem Kampf ferngehalten, wie es bei der traditionellen Feigheit der Intellektuellen kaum anders zu erwarten war, sondern hat in Wahrung seines Kunstschwindels folgendes lapidare Manifest an die Einwohnerschaft Dresdens gerichtet:

?Ich richte an alle, die hier in Zukunft vorhaben, ihre politischen Theorien, gleichviel ob links-, rechts- oder mittelradikale, mit dem Schie?pr?gel zu argumentieren, die flehendlichste Bitte, solche geplanten kriegerischen Uebungen nicht mehr vor der Gem?ldegalerie des Zwingers, sondern etwa auf den Schie?pl?tzen der Heide abhalten zu wollen, wo menschliche Kultur nicht in Gefahr kommt. Am Montag, den 15. M?rz, wurde ein Meisterbild des Rubens durch eine Kugel verletzt. Nachdem Bilder keine M?glichkeit haben, sich von dort zu retten, wo sie nicht mehr unter dem Schutze der Menschheit stehen, und auch weil die Entente einen Raubzug in unsere Galerie damit begr?nden k?nnte, da? wir keinen Sinn f?r Bilder h?tten, so fiele auf die K?nstlerschaft von Dresden, die mit mir bangt und zittert und sich dessen bewu?t ist, solche Meisterwerke nicht selber schaffen zu k?nnen, wenn die uns anvertrauten zerst?rt wurden, die Verantwortung, einer Beraubung des armen zuk?nftigen Volkes an seinen heiligsten G?tern nicht mit allen Mitteln rechtzeitig Einhalt geboten zu haben. Sicher wird sp?ter das deutsche Volk im Ansehen der geretteten Bilder mehr Gl?ck und Sinn finden, als in s?mtlichen Ansichten der politisierenden Deutschen von heute. Ich wage nicht, zu hoffen, da? mein Gegenvorschlag durchdringt, der vors?he: Da? in der deutschen Republik wie in den klassischen Zeiten Fehden k?nftig durch Zweik?mpfe der politischen F?hrer ausgetragen werden m?chten, etwa im Zirkus, eindrucksvoller gemacht durch das homerische Geschimpfe der von ihnen angef?hrten Partei. Was alsdann harmloser und weniger verworren w?re, als die jetzt ?blichen Methoden.?

Oskar Kokoschka,
Professor an der Akademie der bildenden K?nste in Dresden.

Wir richten an alle, die noch nicht genug verbl?det sind, die snobistische Aeu?erung dieses Kunstlumpen gutzuhei?en, die dringende Bitte, energisch Stellung dagegen zu nehmen. Wir fordern alle dazu auf, denen es nebens?chlich ist, da? Kugeln Meisterbilder verletzen, da sie Menschen zerfetzen, die ihr Leben wagen, um sich und ihre Mitmenschen aus den Klauen der Aussauger zu erretten.

Die ?heiligsten G?ter? sind, wenn sie auch als Kunst, Kultur, Vaterland usw. umschrieben werden, in Wirklichkeit nichts anderes als die Arbeitsprodukte der produktivt?tigen Menschen, und wenn zum Kampf um sie aufgerufen wird, so meinen Herren wie Oskar Kokoschka und auch Wilhelm II. den Kampf darum, da? diese heiligsten G?ter in den H?nden derjenigen bleiben, die sie gewohnheitsm??ig als Spekulationsobjekte betrachten. Menschen, die jede M?glichkeit ?einer Beraubung des armen zuk?nftigen Volkes aus seinen heiligsten G?tern? getilgt wissen wollen, w?rden es begr??en, wenn man, statt wie dieser Kulturphrasenheld Kokoschka einen Raubzug der Entente in unsere Galerien an die Wand zu malen, diese Bilder, dem Beispiele der Stadt Wien folgend, gegen Nahrungsmittel f?r die unterern?hrte heranwachsende Generation an die Entente verkaufen w?rde. F?r das ?arme zuk?nftige Volk? w?re damit mehr geschehen, als wenn man ihm die M?glichkeit lie?e, mit von der englischen Krankheit krummgebogenen Beinen vor den unversehrten Meisterbildern in den Galerien zu stehen. Das deutsche Volk w?rde sp?ter noch mehr Gl?ck und Sinn finden im R?ckblick auf solch ein kulturvergessenes Handeln als in Marmeladerationen zu Ehren Rembrandts. Die K?mpfe ?s?mtlicher Ansichten der politisierenden Deutschen von heute? sind der logische Ausdruck des Willens weiterzubestehen und k?nftigen Generationen andere Daseinsbedingungen zu schaffen als solche, die nur den Gott erleuchteten Kokoschkas erm?glichen, sich satt zu essen und ?ber die Hungernden zu witzeln. Nat?rlich, satte Leute brauchen Ruhe zur Verdauung, und wenn sich das unbedeutende Volk schon bemerkbar machen mu?, darf es ihm, dem Weaner-Kind, wohl vororgeln: ?Nua Wolza mull ?s sein?, aber mit Gewehren und Maschinengewehren darf?s ihm den Zusammenhang mit seinen Mitmenschen und die Abh?ngigkeit seines Schicksals, von ihrem nicht zum Bewu?tsein bringen. Er ist ein Lump, der seine Pinselt?tigkeit als eine g?ttliche Mission geachtet wissen will. Heute, wo es von gr??erer Bedeutung ist, da? ein roter Soldat sein Gewehr putzt, als das ganze metaphysische Werk s?mtlicher Maler. Der Begriff Kunst und K?nstler ist eine Erfindung des B?rgers und ihre Stellung im Staat kann nur auf Seiten der Herrschenden, d. h. der b?rgerlichen Kaste sein.

Die Titulierung ?K?nstler? ist eine Beleidigung.

Die Bezeichnung ?Kunst? ist eine Annullierung der menschlichen Gleichwertigkeit.

Die Vergottung des K?nstlers ist gleichbedeutend mit Selbstvergottung.

Der K?nstler steht nie h?her als sein Milieu und die Gesellschaft derjenigen, die ihn bejahen. Denn sein kleiner Kopf produziert nicht den Inhalt seiner Sch?pfungen, sondern verarbeitet (wie ein Wurstkessel Fleisch) das Weltbild seines Publikums.

Oskar Kokoschka, der Sch?pfer ?psychologischer? Spie?erportr?ts, vergeudet seinen psychologischen Impetus nat?rlich nicht an seelenlosen Mob. Seine Realschulkenntnisse gen?gen ihm, um in wahrer historischer Einsicht Links- und Krumm- und Grade- und Rechtsradikale aufzufordern, ihre politischen Theorien ?mit dem, Schiaspr?agel in da Hond auf den Schia?pl?tzen auf der Heide oobzuholten, so zum Spurt, damit die oiten Moistab?ida net valetzt werrn, und da M?nschheit koa Schodn zuagef?agt wird.? Und obwohl er ?ber dem Hader der Parteien steht, wie alle gro?en Kunsthuren, versagt er dem verblendeten Volk nicht folgende unerh?rt neue politische Erkenntnis: zur politischen Arena soll der Zirkus werden, die F?hrer treten dort als Gladiatoren auf, das Parteigesindel gr????hlt, die Feuerwehr steht mit Minimax dabei, damit kein Brand ausbricht, Schutzleute ?berwachen das Ganze, damit kein Rubens und kein Rembrandt im Grab rotieren braucht.

Herr Professor, wissen Sie kein Mittel, um Rubens und Rembrandt, die nebenbei bemerkt nicht mal telephonieren k?nnen, die in Dreimaster, Schnabelschuhen, Spitzenkragen und Kavalierdegen uns eben so ehrw?rdig vork?men wie Ihre Bilder, aus dem Grabe auferstehen zu lassen? Sie w?ren zweifellos berufen, des deutschen Volkes Seelenzwiespalt zu heilen und so dem schwergepr?ften Vaterland Ruhe und Ordnung wieder zu schenken und es einer besseren Zukunft entgegenzuf?hren. Die Entente w?rde selbstverst?ndlich den Versailler Vertrag revidieren.

Arbeiter, blickt nach Dresden! Dort seht ihr die Wiege eurer gl?cklichen Kinder und das Bankdepot 0. Kokoschkas.

Oschka Kokoschka, der wie die Zofe mit der Herrschaft bangt und zittert, da? ihm der Arsch mit Grundeis geht, ist uns nur der Anla?, um die b?rgerliche Kunst entlarven zu k?nnen, wobei die Person dieses Professors so nebens?chlich bleibt, wie sie an sich ist. Dieser Hochschullehrer f?r Kunst, der bei Aufnahmen von Sch?lern authentisch ?u?erte: ?Ich kann nur absolut unber?hrte Menschen brauchen? (von den Dingen und den Fragen der heutigen Zeit unber?hrte Menschen, Engel vom Mond, aus metaphysischen Gefilden), ist eine symptomatische Person, mit deren Anschauungen ?ber Kunst das ganze Kunstbeamtentum, der Kunstmarkt, die ?ffentliche Meinung ?ber Kunst sich decken, und indem wir ihn angreifen, wollen wir alles treffen, was sich hinter ihm an Kunstdummheit und -gemeinheit und -arroganz versteckt. Den ganzen unversch?mten Kunst- und Kulturschwindel unserer Zeit!

Kokoschkas Aeu?erungen sind ein typischer Ausdruck der Gesinnung des gesamten B?rgertums. Das B?rgertum stellt seine Kultur und seine Kunst h?her als das Leben der Arbeiterklasse. Auch hier ergibt sich wiederum die Folgerung, da? es keine Vers?hnung geben kann zwischen der Bourgeoisie, ihrer Lebenseinstellung und Kultur, und dem Proletariat.

Arbeiter, wir sehen die Versuche der Unabh?ngigen, diese Kultur und die verlogenen Anschauungen ?ber Kunst hin?ber zu retten in den proletarischen Aufbau der Welt: Wir erwarten sehr bald von dem Herrn Genossen Felix St?ssinger, da? er Euch in der ?Freien Welt? die Werke des bedeutenden Malers Oschka Kokoschka zeigt und Euch ihre Bedeutung f?r das Proletariat nachweist, wie er Euch auch mit dem kirchlichen Zimt des Isenheimer Altars oder den heute erledigten individualistischen Kunstqu?lereien eines van Gogh bekannt machte. Der egozentrische Individualismus ging mit der Entwicklung des Kapitals Hand in Hand und mu? mit ihm fallen.

Wir begr??en mit Freude, da? die Kugeln in Galerien und Pal?ste, in die Meisterbilder der Rubens sausen, statt in die H?user der Armen in den Arbeitervierteln!

Wir begr??en es, wenn der offene Kampf zwischen Kapital und Arbeit dort sich abspielt, wo die sch?ndliche Kultur und Kunst zu Hause ist, die stets dazu diente, den Armen zu knebeln, die den Bourgeois am Sonntag erbaute, damit er am Montag seinen Fellhandel, seine Ausbeutung um so beruhigter aufnehmen konnte!

Es gibt nur eine Aufgabe:

Mit allen Mitteln, mit aller Intelligenz und Konsequenz den Zerfall dieser Ausbeuterkultur zu beschleunigen.

Jede Indifferenz ist konterrevoIution?r!

Wir werden den konterrevolution?ren Erhaltungstrieb der Kokoschkas niemals dulden, die noch nicht einmal die beweglichen Ideen des Futuristen sich zu eigen gemacht haben, an deren Bilder das einzig Gute ist, da? sie sie nach dem Tode verbrannt wissen wollen, in der richtigen Erkenntnis, da? diese bis dahin doch l?ngst ?berholt sind. (Was soll uns ein futuristisches Gem?lde ?Damenhut bewegt sich die Treppe abw?rts? in einer butterarmen Zeit?)

Wir fordern alle auf, Stellung zu nehmen gegen die masochistische Ehrfurcht vor historischen Werten, gegen Kultur und Kunst!

Insbesondere bitten wir um Uebermittlung von Stellungnahmen gegen den Aufruf Kokoschkas! Wir wollen die Stimmen gegen solche Lumpen und den hinter ihnen Versteckten sammeln und nach M?glichkeit der Oeffentlichkeit ?bergeben.

Von Euch, Arbeiter, wissen wir, da? ihr Eure ArbeiterkuItur ganz allein schaffen werdet, ebenso wie ihr Eure Klassenkampforganisationen aus eigener Kraft geschaffen habt.


Seitenanfang
About
Aktuell
Content
Theoriesampling
Substreams
Playlists
Rhizom
Tagebuch
Kontakt