SexyKapitalismus

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* - ?Die Guillotine wird uns retten und die Leidenschaft der Weiber.?

?ber folkloristischen Traditionalismus, Personenkult und Konterrevolution

?Befreien wir sie von den Hirngespinsten, den Ideen, den Dogmen, den eingebildeten Wesen, unter deren Joch sie verk?mmern. Rebellieren wir gegen diese Herrschaft der Gedanken.? (Marx)

Es scheint wohl egal zu sein, ob f?r ?Sozialismus oder Barbarei ? Heraus zum Revolution?ren 1. Mai?!

Denn angesichts des B?ndnisses, das zu jener Demonstration aufruft, dr?ngt sich der Eindruck einer Leistungsschau leninistischer Kadaver und ihrer trotzkistischen, maoistischen und stalinistischen Verwesungsprodukte auf. Es wird dabei einiges an konterrevolution?rer Ideologie aufgeboten, was die Arbeiterbewegung der letzten hundert Jahre begleitete und das bisherige Scheitern einer potentiell revolution?ren Selbstorganisierung des Proletariats mitbedingt hat.

Die konterrevolution?ren Niederschlagungen der proletarischen Selbstemanzipation durch die vermeintlich revolution?ren Bolsheviki und ihrer ideologischen Zerfallsprodukte finden sich in der Geschichte der immer wieder hervortretenden Arbeiterr?te (Sovjets), die 1917 von eben diesen Bolsheviki rekuperiert, und 1921 von Lenin und Trotzki in Kronstadt liquidiert wurden. China 1927 steht f?r ein fr?hes, brutales milit?risch-b?rokratisches Unterbrechen und Abblocken einer beginnenden revolution?ren Bewegung eines entschlossenen, aber zahlenm??ig sehr schwachen Proletariats. 1936-37 sind die R?te in Spanien durch die anarchistische Gewerkschaft rekuperiert, von den Stalinisten von innen und vom deutschen Nationalsozialismus sowie vom italienischen Faschismus von au?en niedergemacht worden. 1956 sind sie in Ungarn durch den ?sowjetischen? Staat zerschlagen worden. Die sogenannte ?Gro?e Proletarische Kulturrevolution? 1966-1969 in China gibt par excellence das historische Beispiel einer b?rokratischen Wirtschaftsform, einer nachholenden staatskapitalistischen Akkumulation ab, die sich als Sozialismus ausgegeben hat. Die in dieser vom b?rokratischen Terror beschleunigten urspr?nglichen Akkumulation neu entstandenen und erstarkten Klassenk?mpfe sind in einem konzentrierten Spektakel, eines extremen F?hrerkults einer Person, die des Mao ZeDongs, repressiv sublimiert worden.

Insgesamt f?hrte das von Teilen des Proletariats spektakul?r und knechtisch angebetete Modell der ?sozialistischen? Oktoberrevolution sowie der ?Gro?en Proletarischen Kuturrevolution? in zahlreichen L?ndern zur Dogmatisierung derjenigen Parteien, die sich am bolshevikischen Modell orientierten und zur Liquidierung alternativer communistischer Organisierungen. Aus diesen historischen Schw?chen und Niederlagen der R?teorganisierung muss gefolgert werden, dass die fetischistischen Trennungen der hierarchischen Klassengesellschaft, welche sich in den proletarischen Kampf- und Organisationsformen immer wieder produziert haben und sich jederzeit wieder reproduzieren k?nnen, schon im Keim aufzubrechen und zu ?berwinden sind. Das bedeutet in erster Linie, dass die Entfremdung nicht mit entfremdeten Mitteln bek?mpft werden kann, ansonsten stellt sich ?die ganze alte Schei?e? (Marx) und mit ihr die gesellschaftliche hierarchische Trennung immer wieder her. Um die m?gliche (nicht ?objektiv automatische?!) Selbstorganisierung eines revolution?ren Proletariats zu beg?nstigen, muss der Leninismus in all seinen Spielarten strikt bek?mpft werden!

Die Organisation des Proletariats nach dem bolshevikischen Modell unter der Leitung von Berufsrevolution?ren, die aus der russischen R?ckst?ndigkeit und dem Verzicht des ?berwiegenden Teils der Arbeiterbewegung in den Metropolen auf den revolution?ren Kampf entstanden war, enthielt schon die wesentlichen ideologischen und konterrevolution?ren Verkehrungen: Die Marxsche Theorie der Selbstemanzipation des Proletariats, der anti-staatlichen ?Diktatur des Proletariats? als Diktatur der ?radikalen Bed?rfnisse? (Marx) wurde in der Leninschen Parteiideologie in ihr Gegenteil verkehrt, in eine Diktatur ?bers Proletariat, auf der Grundlage eines nachholenden, kapitalistisch-despotischen Akkumulationsregimes.

Die B?ndnisgruppen zum ?Revolution?ren 1. Mai 2006 in Stuttgart? sind allesamt Tr?gerinnen jener konterrevolution?ren Ideologie:

Wie bei jeder trotzkistischen Gruppe bleibt auch bei der Arbeitermacht / Liga f?r die f?nfte Internationale unterm Strich der leninistische Staatsfetischismus bestehen. So setzt sie ?auf Selbstbestimmung der V?lker [...] unter Einschluss des Rechts auf staatliche Abtrennung? (Arbeitermacht). Bei soviel V?lkischem d?rfen demagogische Ressentiments nicht fehlen und so wirbt sie offen f?r eine Kollaboration mit islamistischen, also aggressiv antikommunistischen Gruppen: ?Wenn islamistische Bewegungen wie die Hamas in Pal?stina zu Aktionen gegen den Imperialismus und die zionistischen Besatzer greifen, sollte die Arbeiterklasse konzertierte Aktionen mit ihnen durchf?hren und sie gegen Repression verteidigen.? (Arbeitermacht)

In ?hnlich latent antisemitischer Manier versucht auch die Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) alltagsreligi?se, verk?rzt ?kapitalismuskritische? Ressentiments gegen finanzkapitalistisches ?Geldmenschentum? zu mobilisieren, um die Massen gegen die ?widerlichsten Ausgeburten der deutschen Finanzoligarchie? (KAZ) zu gewinnen. Des Weiteren darf die Huldigung einer der brutalsten Durchf?hrungen der urspr?nglichen Akkumulation, der des ?Sozialismus in einem Land?, der sich mit dem Namen Stalin in der ehemaligen UdSSR oder Mao in China verbindet, nicht fehlen. Deren nationalstaatliche ?L?sungen? oder ?Gro?en Spr?nge? dienten letztendlich zur Erm?chtigung einer staatskapitalistischen B?rokratie als Ersatz-Herrschende-Klasse auf Kosten des Proletariats, durch die Aufrechterhaltung der Arbeitskraft als Ware.

Was Marx (mit Bezug auf die russischen Verh?ltnisse einst Vera Sassulitsch und anderen) klarmachen wollte, n?mlich dass der Sozialismus weder auf Wunsch noch auf Befehl einer Staatsmacht verwirklicht werden k?nne, wollten Lenin und Stalin widerlegen. Konsequent forderte Lenin zur Sicherung der Leitung der gesellschaftlichen Arbeit ?die Unterordnung des Willens von Tausenden unter den eines einzigen.? (Lenin) Kritisierte noch Marx den despotischen Charakter des industriellen Arbeitsprozesses so wurde diese Despotie von Lenin als notwendiges ?bel in Kauf genommen und in eine Fortschrittsideologie (zur Not auch gegen die Produktivkr?fte) umgelogen. Das hochgez?chtete mehrwertschaffende Sowjetproletariat wurde staatsb?rokratisch gezwungen f?r die Akkumulation des Staatskapitals, au?er der miserablen Bezahlung, diese Entstellung des ?Sozialismus?, als ideologische Konsequenz mit in Kauf zu nehmen. Hierbei entlehnte Lenin mit seinem ?Weisheitsspruch? ?Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen? seine politische Moral dem christlichen Evangelium und Stalin dachte wie sein Meister: ?Die erzeugten Produkte werden nach der Arbeitsleistung verteilt.? Die schlechte Aufhebung des Privateigentums an Produktionsmitteln im sogenannten Realsozialismus als blo?e ?bereignung an Staatsapparate, dessen Ideologen von einer unvermittelten und damit falschen Gegen?berstellung von Lohnarbeit und Kapital ausgingen, schrieben weiterhin die Herrschaft der toten ?ber die lebendige Arbeit fort und transformierten blo? die b?rgerliche ?konomie in einen b?rokratischen Staatskapitalismus. Mit ?u?erster staatsterroristischer Gewalt wurden jegliche revolution?ren proletarischen Selbstorganisationsversuche, die alle Formen des Kapitalismus und seine grundlegendsten Kategorien zu ?berwinden versuchten, so auch die Lohnarbeit im Staatskapitalismus, immer wieder niedergeschlagen. Ebenso wurde auch jeder theoretische Dissens, im Keim erstickt und selbst wichtige Marxsche Schriften entkamen der stalinistischen Zensur nicht.

Diese stalinistische Konterrevolution wird von Trotz Alledem ideologisch mit erschreckender Deutlichkeit in einen religi?sen Personenkult gegossen: ?Wir und mit uns alle wahren Revolution?r/innen und echten Kommunist/inn/en weisen all diese Hetz- und L?genkampagnen gegen Stalin mit aller Entschiedenheit zur?ck! [...] Es gibt kaum einen Namen in der Weltgeschichte, der bei der Weltreaktion so viel Wut und Hass ausgel?st hat, wie der Name Stalins ? und der zugleich bei allen wirklichen Kommunist/inn/en und klassenbewu?ten Proletariern so grosse Wertsch?tzung, Hochachtung und Liebe hervorruft, wie dieser Name.? (Trotz Alledem) Hier wird die Frage, ob man denn nun Kommunist_in ist oder eben nicht, an der Frage festgemacht, ob denn der Name Stalin bei einem selbst eher ?Wut und Hass? oder doch ?Wertsch?tzung? bzw. ?Hochachtung? hervorruft. Was dies in der Konsequenz bedeutet, gerade auch in Bezug auf die Entwicklung revolution?rer Selbstorganisierung, kann jede_r selbst absch?tzen.

In einer solch ?blen Gesellschaft linker Tr?mmerhaufen und konterrevolution?rer Koalition darf die Revolution?re Aktion Stuttgart (RAS) nicht fehlen, geht es ihr in ihrer ?Positionierung zu einigen linken Tendenzen? (RAS) doch um ?organisatorische Kontinuit?t? (RAS). Durch das B?ndnis mit oben genannten Gruppen hat die RAS nun unmissverst?ndlich deutlich gemacht, in welcher Kontinuit?t sie sich organisiert.

Mit einer solchen ?Aktualit?t des Kommunismus? hat ?die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt? (Marx), d.h. eine revolution?re communistische Bewegung nichts zu schaffen. Insofern sollten alle, die von dem Begehren umgetrieben werden, die geschmacklose, konterrevolution?re Folklore dem M?llhaufen der Geschichte zu ?berantworten, auf diese 1.-Mai-Veranstaltung mit subversiver Ironie und dem Stil der Negation reagieren.

Der 1. Mai steht als internationaler Kampftag der Arbeiterbewegung ja gerade in der Tradition des unerbittlichen Kampfes f?r eine nicht entfremdete Gesellschaft und kn?pft damit an den von Marx ausgesprochenen kategorischen Imperativ an, ?alle Verh?ltnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein ver?chtliches Wesen ist?. Er mahnt daran, dass dieser stetige Kampf, ein Kampf mit ungez?hlten Niederlagen und blutigen Verlusten ist. Als 1886 die Demonstrationen zur Erk?mpfung des Acht-Stunden-Tages auf dem Haymarket in Chicago von Polizisten zusammengeschossen wurden, eskalierte die Gewalt und so gab es am Ende ?ber 200 Verletzte, die Zahl der Toten ist bis heute ungekl?rt. Aus Anlass dieser blutigen Niederlage jenes Arbeiteraufstandes, die unter keinen Umst?nden in schlechter Tradition zu einem Sieg umgelogen werden darf, ist seit dem Gr?ndungskongress der Zweiten Internationalen 1889 der 1. Mai als internationaler Kampftag der Arbeiterbewegung inauguriert worden.

Die uns?gliche Tradition des Uml?gens der bittersten Niederlagen der Arbeiterbewegung in vermeintliche Siege, hat zu einem nicht unwesentlichen Teil dazu beigetragen, dass die Arbeiterbewegung stets auf ein Neues in schon verlorene Schlachten gezogen ist. Da eine wirkliche Auseinandersetzung mit den Fehlern und Trugschl?ssen von den Siegern der bisherigen Geschichte st?ndig sabotiert und von den Proletarisierten verdr?ngt wurde, konnten auch die dabei gemachten emanzipativen Erkenntnisse kaum gerettet werden. ?Trotzdem sind diese letzteren im Klassenkampf anders zugegen denn als die Vorstellung einer Beute, die an den Sieger f?llt. Sie sind als Zuversicht, als Mut, als Humor, als List, als Unentwegtheit in diesem Kampf lebendig und sie wirken in die ferne Zeit zur?ck. Sie werden immer von neuem jeden Sieg, der den Herrschenden jemals zugefallen ist, in Frage stellen.? (W. Benjamin)

Es sind daher alle aufgerufen, sich in eben diesem geschichtlichen Bewusstsein aus den entfremdeten Organisationsformen der ideologisch zusammengeschwei?ten Gruppen zu l?sen und wirklich das Abenteuer der Dialektik zu wagen und als lesende, also ihre emanzipativen Begierden aus der gesellschaftlichen Verdr?ngung heraus erkennende Arbeiter_innen aktiv an der Aufhebung dieser Gesellschaft und ?berwindung all ihrer Trennungen teilzuhaben.

?Von der Kraft und der St?rke des Geistes kann man gar nicht genug erwarten.?

ZK der Proseccosozialisten
mkalg/bam (m?dchen-k?nnen-auch-lesen gruppe.bam)
aus-in-der-vorrunde.de
NDG

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