SexyKapitalismus

Verkopfte Theoriesamples und eine Sammlung von Texten, die Teil unserer Sendungen geworden sind. Im Rhizom findet ihr weitere Links zu Info- und Edutainment-Seiten.

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Sexy Kapitalismus - Alles Pop?
Medienpolitische Ambulanzen

Alles Pop?



...und sogar in meinen K?ssen. ... Man sollte nie, nach all den verloren Kriegen und W?ten und Trauern, die Feier feiern, dass das eigene Begehren selber L?ge ist, das gl?nzende Geliebte auch schon Feind, und das als rauschendes Fest, sich dem rettungslos Verlorensein so schrecklich gutaussehend in die leeren Arme schmei?en und dabei save me! schreien, sich gegen die Geschichte verlieben, die man zwangsl?ufig schreibt. Diese Feier sollte man nicht feiern, nein, und doch bleibt alles andere die noch viel schlimmere Schei?e, die einmal ideologisch ?berbaut uns die t?gliche Angst macht, von der wir dann leben. ?berall finden wir nur noch gerade mal etwas besseres als den Tod, was der Arbeitsmarkt noch von uns ?brig l??t, rei?t uns in Liebe auseinander, wen auch immer ich kennenlerne, das fremde Zimmer ist schon beim ersten Besuch ein Standort, Austragungsort einer beschissenen ?konomie, die wir uns nicht ausgedacht haben, sondern sie sich uns.

Unter diesen Bedingungen ?berhaupt irgendetwas anzufangen, und das ohne Glauben, und ohne eine Flucht in das Lob der einfachen Dinge, der Ehrlichkeit, Bescheidenheit, N?chternheit, des in aufger?umten Wohnungen p?nktlich Verabredetseins, ist wirklich nicht so einfach. Mach's dir nicht so schwer, ruft die Marketingabteilung dessen, was ich nie auf den Markt bringen wollte, come on! ruft der Spa?, der davon lebt, da? ich ihn haben soll, aber ich will das nicht, nein, ich will das alles wirklich nicht, und wenn sich heute Nacht noch irgendjemand f?nde, den oder die ich in der hellen Ecke einer dunklen Bar mit meiner Verzweiflung vollpumpen k?nnte, dann ginge ich daf?r, und es ist mir schei?egal, was meine falschen Freunde sagen. Ja klar, es ist mir doch alles sowas von klar, da? es darum geht, zuh?ren zu k?nnen und offen zu sein und sich ?ndern zu k?nnen und sich nicht verr?ckt machen zu lassen, und geile Musik zu h?ren und symbolisch vorne zu sein, stilistisch, fashionm??ig, schei?e, schei?e, schei?e. Macht verr?ckt, was euch verr?ckt macht, das ist ein beschissener Slogan, das kannst du dir aufs T-Shirt schreiben und am n?chsten Tag 'nen Schokoriegelnamen dr?berkleben, das geht doch in echt gar nicht, das ist Pop und nicht das Leben.


Sexy Kapitalismus ... oder Pop ist eine Pizzaschachtel


Macht verr?ckt, was euch verr?ckt macht - Wie mache ich denn bitte den Sexy Kapitalismus von heute verr?ckt??? Der lechzt doch auf dieser seiner Kulturflanke nur so nach crazy opposition, wie mache ich denn das verr?ckt, was supergrunds?tzlich mein und dein und unser und aller Begehren durchzieht, den Sound, auf dem wir gleiten, kl?gstens kopf?ber und durchdachtenstens seitw?rts versetzt.
Das endet doch alles, bevor es beginnt, macht verr?ckt, was euch verr?ckt macht, das gibt doch: ich mich selber, ich dich, du mich und wir uns alle f?r uns selbst. Nee, nee, das ist die gro?e Pop-L?ge, the big rave-o-lution swindle, da? es an den Austragungs-orten von Jugendkultur irgendetwas zu gewinnen g?be au?er Abkacken im Angebot von Arbeitspl?tzen, etwas zu gewinnen, indem man von den geilen Slogans welche selber, echt, eins zu eins, konsequent, wirklich lebt.
Da kannst du noch so auf Inhalte bauen, wenn du die Funktion nicht verstehst, da kannst du dir achtundzwanzig subversive Identit?ten und neun Millionen Frontverl?ufe in sonstwelchen Undergrounds draus bauen, am Ende wird jede noch so bescheuerte Mikropolitik zu integriertester corporate Makrokultur, so laufen doch diese ganzen kranken Revolutionen. Je enthusiastischer, desto schlimmer.

Hipness ist ein Scharnier und Coolness eine T?r, und wer einmal auf der anderen Seite angekommen ist, dem braucht man erst gar nicht mehr zu erkl?ren, da? die allzu sch?n Scheiternden von heute die gr??en Idioten von morgen sind, in all ihrem mit nichts mehr irgendwas zu tun habenden Erfolg. Und der schlimmste Vorwurf, um das noch einmal ganz grunds?tzlich klarzustellen, ist der Vorwurf, all das hier w?re schlecht gelaunt. Ich meine, bitte, hat hier etwa irgendjemand gute Laune, au?er fun fun fun, hat hier irgendjemand wirklich lustvoll Lust, diese Bundesrepublik Deutschland im Herzen eines sich vereinigenden Europas im Zentrum einer sich auf die ?konomischen basics bekriegenden Welt nochmal an die Ideen von demokratischer Gesellschaft und irgendwie erstrebenswerter Zukunft zu erinnern, die sie vor f?nfundzwanzig Jahren uns gerade Bewusstsein-Entwickelnden als ihr Projekt zu verkaufen versucht hat?


Irgendjemand Lust, die versprochenen Satellitenst?dte und Individual-hubschrauber und Freizeitparks anders zu nehmen als im Sturm? Durch dereguliert ehrliche Arbeit und nationalmoralisch globalisierten Verzicht doch nicht etwa? Die Parties, soviel ist sicher, werden gefeiert werden, und wenn dabei anwesend zu sein Sinn macht, dann mu? der sich durch massenhaft Unsinn k?mpfen, von Unrecht ganz zu schweigen.


Wenn gefeiert wird, da? jeder einzelne doch noch sein Gl?ck bekommt und sein panoramabefenstertes sonnenterrassenumringtes Vollkomfortgescho?, und sei's nur im eigenen Kopf, oder als Wunsch aus der Maschine, oder im neuen deutschen Film, oder man selbst real nicht aber theoretisch ja schon, wenn man nur und so weiter und so fort... wenn also die gleiche Schei?e gefeiert wird wie seit f?nfzig f?nfziger Jahren, und Spa? gehabt wie immer schon und lang nicht mehr und wie nur was, dann k?me ich, wenn ich k?me, im Ernst. Verlorener als ich bin s?h ich eh nicht aus, mehr allein als sowieso schon st?nd ich nie, und irgendwessen Bett f?nde sich bestimmt, um sich hinterher immerhin daran zu erinnern, das alles lieber komplett, total und v?llig zu vergessen. Aufgehoben bin ich anderswo.



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