SexyKapitalismus

Verkopfte Theoriesamples und eine Sammlung von Texten, die Teil unserer Sendungen geworden sind. Im Rhizom findet ihr weitere Links zu Info- und Edutainment-Seiten.

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*** - Der Kunstgegenstand Pop und die Kunst des postmodernen Lebens

Marx notierte 1857: "Der Kunstgegenstand - ebenso jedes andre Produkt - schafft ein kunstsinniges und sch?nheitsgenu?f?higes Publikum".

Ist es so?

Wenn Du Deiner Freundin ein neues St?ck Musik vorspielst, das Dich fasziniert, dann mu? es ihr nicht gefallen. Die Geschm?cker sind verschieden. Sie sind, sagt Bourdieu, auch sozial strukturiert. ...
Aus Dir kann dieses St?ck ebenso wie ein Bild oder ein Buch gleichwohl einen anderen Menschen gemacht haben.

Gesellschaftlich betrachtet leben wir inzwischen im Zeitalter der Kulturindustrie (und des Sexy Kapitalismus). Was das bedeutet? Nun, wir leben in einer designten Bilder- und Warenwelt, selbst die Anordnung der Schrift ist dem Kalk?l des Werbens und Verkaufens unterworfen. In der Rationalit?t des Auf-den-Markt-bringens und der technischen Herstellung von Kultur f?r die Massen verwirklicht sich die Rationalit?t der Herrschenden. Diese Herrschaft bringt Dich nicht um!. ABER, wehe Du findest dies nicht "super, dufte, toll, normal"! Wer nicht mitmacht wird zum Miesmacher erkl?rt und wie ein Fremdling behandelt.
Hei?t dies nun, Horkheimer und Adorno haben recht mit ihrem Kulturpessimismus, der in der Kulturindustrie nur die Stabilisierung totalit?r gewordener Herrschaft und Volksverdummung erkennen mag? N?, denn solange es Kunstgegenst?nde gibt, die danach streben, sich und Dich der Rationalit?t des Systems zu entziehen, solange gibt es noch Hoffnung.


Die Kunst des popmodernen Lebens


Zuersteinmal stellt sich die Frage: Brauchen wir Kunst??
Zun?chst braucht der Mensch etwas zu essen, zu trinken, ein Dach ?ber dem Kopf und dazu im Normalfall auch das notwendige Geld, um diese Dinge erwerben zu k?nnen. Arbeit also, Erwerbsarbeit, braucht der Mensch auch, jedenfalls ein gutes, stabiles Einkommen, um den garantierten, fluffig weichen, jetzt neuen(!) Konsum zu garantieren :)

Aber Kunst? Nun, "Saufen, fressen, ficken und die Kinder Bier holen schicken", mit dieser Zeile fasst der Berliner Liedermacher Funny van Dannen den Kern gegenw?rtiger proletarischer Lebensweise am Anfang des neuen Jahrtausends zusammen. "Ficken", Sex haben scheinbar also eine besondere Bedeutung in der Gesellschaft von heute. Und richtig: Ein Grossteil des Angebotes im Internet ist den Geschlechtsteilen und ihrem Gebrauch gewidmet.
Ebenso die Musikproduzenten setzen immer mehr auf diesen Faktor. Das ist v?llig normal und logisch, betrachtet man die Chronologie und Entwicklung der Popkultur.

Kunst ist dies aber nicht.! Oder ist die Praxis der richtigen Lebensweise als Lebenskunst zu bezeichnen? Der postmoderne Mensch, ein Lebensk?nstler?
Tats?chlich gilt in der neoliberalen Ideologie jedeR als seines oder ihres Gl?ckes Schmied. Scheitern ist Privatsache. Wichtig scheint, dass Du etwas aus Dir machst. Do it! Sonst wirst Du schr?g angesehen, sonst geh?rst Du nicht zu uns. Kehre Dein Inneres nach au?en - jetzt - und funktioniere.
Das aber ist NEU! Du solltest schon etwas aus Dir machen, denn wenn nicht, dann bist Du draussen. Wer nicht der Norm folgt, wer abweicht, riskiert den Ausschluss. Eene, meene, muh - und raus bist Du.

Big Brother, die Fernsehshow in the U.K. und auf RTL 2 f?r gelangweilte Neugierige in der Zielgruppe der Werbeindustrie gibt uns ein gutes Beispiel hierzu. Zelebriert wird der Ausschluss aus der Gemeinschaft ganz in diesem Sinn. Gegeneinander und zugleich miteinander ist eine mehrheitsf?hige Selbstinszenierung zu entwickeln, die Erfolg verspricht. Zeig mir Dein Gesicht! Und dabei liegen Freiwilligkeit, Anpassung und Zwang ganz eng beieinander. Jedenfalls innerhalb des Hauses hast Du Dich den Regeln zu unterwerfen. Aber daf?r wirst Du belohnt.

In der Popkultur von heute, wie sie in den Massenmedien gefeiert wird, kann jeder mit der richtigen Lebenskunst zum Star werden. Wer Star werden will, hat einen Preis zu zahlen. Aber Du erh?lst das, was den Einzelnen in der neoliberalen Gesellschaft das gr?sste Bed?rfnis ist: Anerkennung und Geld.




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