SexyKapitalismus

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SexyKapitalismus - Pop und Krieg - Von der zugeh?rigkeit der Popkultur zum Kriegsgeschehen
Behrens, B?sser, in Testcard #9

Pop und Krieg?????? Krieg und Pop?????? Geht das?????

Jeder hat dazu vielleicht Bilder im Kopf: Marlene Dietrich, die im 2. Weltkrieg durch Frontb?hneneinsatz amerikanische Soldaten im Kampf gegen das faschistische Deutschland st?rkt. Apokalypse now, die Poster auf denen Atompilze und sterbende Soldaten mit dem Aufdruck ?WHY??, ... Unz?hlige Plattencover die mit der Symbolik des Krieges spielen; Peter Br?tzmanns Machine Gun mit den feuernden Soldaten auf dem Cover; Manowar, Heimatfront, ZuluNation, Metallicas Hit ?One?, eine Ballade ?ber die Grausamkeit des Krieges, The DOORS This is the end?, Ja sogar Haydns ?military? Symphonie;
Der geile Klassikkick bei der Bombardierung von D?rfern; bekiffte GI?s, die im Sch?tzengraben wahrhaft apokalyptische Gitarrensolis h?ren; Jimi Hendrix? Maschinengewehrversion der US-Hymne; Blumen in Gewehrl?ufen; Woodstock, die Osterm?rsche, ...

Oder auf der Mauer auf der steht: ?Stell dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin?!,
und dazwischen :
Punkrock, THE CLASH (hate and war), schlie?lich Hardcore (Bands, die sich WARTIME nennen), Atari Teenage Riot (the future of war); Nato-Doppelbeschluss; SDI, Ab- und Aufr?stung als Themenkonsens der Achtziger, auch in der Popkultur, z.b. Joseph Beuys (?wir wollen Sonne statt Reagen, ohne R?stung leben?), Nicole (?Ein bisschen Friede?), ?berhaupt die Friedensbewegung, das Friedenszeichen.

Abgesehen von Picassos wei?er Taube gibt es jedoch keine wirkliche Friedenssymbolik, auch wenn es um Frieden geht, bedient sich POP bei der symbolischen Gewalt des Krieges. Eine- wie auch immer codierte- Adaption milit?rischer Accessoires geh?rt zu fast allen Popkulturen, von den Flieger-Lederjacken der Halbstarken bis zu den Parkas der Mods und der derzeitigen Camouflagebekleidung im Techno oder proletarischen Jugendszenen (von der Mode der Neonazis ganz zu schweigen). ?

Krieg kann in sehr verschiedener Weise Thema der Popkultur sein:
? Als Thema, um sich musikalische zum Krieg zu ?u?ern, in Form einer Antikriegshaltung oder auch einer Verherrlichung des Krieges
? Als Thema, um sich musikalisch zu Ph?nomenen zu ?u?ern, die in Ihrer wahren Gewalt als kriegs?hnlich empfunden oder dargestellt werden sollen (?es herrscht Krieg in den St?dten, den Strassen?, ?Der Krieg der Geschlechter?)
? Als Thema, um Gef?hlszust?nde durch die Kriegssymbolik glaubhafter oder dramatische zu machen . Krieg als emotionaler Ausnahmezustand. Die Popkultur, dies vordergr?ndig mit einem sehr begrenzten Reservoire an Emotionen zu tun hat, findet im Krieg treffende Bilder.
? Als Allegorie. D.h. Es geht nicht wirklich um den Krieg und das was er symbolisiert, sondern als Symbolik im Sinne der Verg?nglichkeit, Zerst?rung und gleichzeitig Neuanfang. Punk als Krieg gegen das Establishment, die Inszenierung von Bandenkriegen im GangstaRap
? Als Symbolik f?r Streitigkeiten innerhalb der Popkultur. METALLICA f?hrt Krieg gegen NAPSTER, >>copying is killing music<< (oder so)
? Als dramatisches Mittel, musikalischer und popk?nstlerischer Inszenierung; Krieg als Showelement, Militarisierung durch Mode und musikalische Sterrotypen.
? Verharmlosung des Krieges
? Kein POP ohne KRIEG. Alle ma?geblichen Elemente der Massenkultur sind zugleich Elemente des Krieges

Ein Zusammenhang von POP und KRIEG ist offensichtlich; diesen Zusammenhang zu leugnen, hie?e den Strukturzusammenhang von Gesellschaft ?berhaupt zu leugnen!

Das gemeinsame von POP und KRIEG ist die Sensation, das Spektakel. Zum Beispiel, indem KRIEG und POP als gleicherma?en sinnstiftend (oder wahlweise sinndestruierend) beschrieben werden; zum Beispiel, indem KRIEG und POP als gleicherma?en als Ausnahmezust?nde gedeutet werden (eine Schlacht, ein besonderes Konzerterlebnis, Momente au?ergew?hnlicher Intensit?t).

?sthetisch betrachtet ist Krieg bereits ein kulturelles Ph?nomen, arbeitet mit Effekten k?nstlicher Inszenierung. Der Ort, an dem ein Krieg stattfindet ist die B?hne, der Schauplatz, Kriege k?nnen zum Drama erden, zur Trag?die ... Die ?sthetisierung des Krieges ist Teil seiner ideologischen Funktion; sie dient der Repr?sentation von Macht und bietet zugleich ein effektvolles Instrumentarium, welches auch in der Kulturindustrie Anwendung finden kann. So geh?rt zur kulturellen Repr?sentation politischer Macht die Demonstration milit?rischer St?rke.

Krieg und Popkultur nutzen ?hnliche Strategien der ?sthetisierung, der Inszenierung und der Illusion; ihr Zusammenhang ist historisch in der Entwicklungslogik der Neuzeit begr?ndet ? im SEXY KAPITALISMUS. ?berspitzt gesagt ist ein Zusammenhang zwischen KRIEG und POP in einer Gesellschaftsform, die gar keinen anderen Zustand als den Krieg kennt, selbstverst?ndlich!


Kaum eine Bewegung hat Krieg und Gewalt derma?en zum Thema gebracht wie Punk und sp?ter Hardcore. Von den Bandnamen bis in die Songtitel hinein ist die Gewalt allem eingeschrieben, eine Gewalt, die auch immer eine eigene Verwundbarkeit zur Schau stellt (L?cher in den Hosen und Piercings sprechen davon, dass sich der K?rper gerade in einer Schlacht befindet, zerrissen und durchl?chert wird) und also zeigt, dass Krieg allgegenw?rtig ist, niemals nur die Abstraktion eines fern gelegenen Schlachtfeldes.

Nichts anderes veranlasste die einen, ihren K?rper schrittweise zu zerst?ren (eine Art Protest, der ?hnliches verk?ndet, wie der Akt sich ?ffentlich zu verbrennen), und die anderen wiederum, sich vegan zu ern?hren, weil der Grat der Zivilisiertheit bei der Ern?hrung beginnt.

Jede Entscheidung im Punk, die Selbstzerst?rung ebenso wie der Kampf gegen J?ger und Schlachth?fe, basiert auf der Empfindung, sich in einem permanenten Krieg zu befinden, und diesen zu thematisieren.

Und dann, was auch nicht verschwiegen werden darf:

Der Krieg als blo?es Mittel zur Selbststilisierung, als m?nnliche Metapher von H?rte und Immunit?t, ohne dabei eine Vorstellung vom gesellschaftlich anderen zu entwickeln.

Die Aura der Gewalt z.B. mit der sich Henry Rollins schm?ckt und trotz (oder gerade wegen?) seiner krankhaften Frauenscheu zum Herzensbrecher bei vielen Frauen hat werden k?nnen, besteht aus nichts anderem als platter Warenlogik, dass sich der K?mpfer in einer auf Kampf aufgebauten Gesellschaft eben besser als der schwache, gebrochene Charakter verkauft.

Das was Rollins hier verk?rpert, eine m?nnliche Kampfmaschine, die gar nicht mehr wei? wogegen oder wof?r sie k?mpft, ist bereits die glatte, kommerziell verwertbare Oberfl?che, zu der Punk geworden ist. Mit dem Moment, wo Punk die eigene Verwundbarkeit abgelegt hat und im permanenten Krieg nicht mehr bewusst Verlierer sein wollte, sondern Profiteur dieses Krieges, ist Punk von der radikalsten Kapitalismuskritik, die eine Pop-Subkultur vielleicht je erlebt hat, zur v?lligen Teilnahme am System ?bergegangen.

Punk erkl?rte dieser Gesellschaft den Krieg und schlie?lich den SEXY KAPITALISMUS zum andauernden Kriegsschauplatz. Alles wurde als feindlich. Feindlich, weil nicht mehr funktionierende Kommunikation, kaputter Sex und in Floskeln geronnene Gesten der Liebe, feindliches Fernsehen und feindliche Presse. Deshalb ging es Punk, wie den meisten Jugendkulturen, um ein hedonistisches Konzept gegen?ber der spa?feindlichen Gesellschaft (die, nebenbei, ja gar nicht so spa?feindlich ist, sondern einfach nur haufenweise falsche, entfremdete Wege des Vergn?gens produziert), sondern es ging gerade darum, aus dem Kampf gegen die Gesellschaft das gr??tm?gliche Vergn?gen zu ziehen.


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